Um die Rolle der Transidentische Menschen in einer Gesellschaft zu verstehen,
muss man die Rolle der Frau in dieser verstehen. Teil 2
Es reicht nicht, die eigene und anderer Leute Erfahrung zu zerstören. Man muss diese Verwüstung durch ein falsches Bewusstsein überlagern, das (nach Marcuse) an seine eigene Falschheit gewöhnt ist.
Ausbeutung darf als solche nicht gesehen werden. Sie muss als Wohltat gesehen werden. Verfolgung sollte besser nicht als Erfindung einer paranoider Vorstellung abgewertet, sie sollte als Freundlichkeit erfahren werden.
Ronald D. Laing, „Phänomologie der Erfahrung“
R.D.Laing
Würde ich das bisher, in der letzten Folge gesagte, alleine so stehen lassen über die Rolle der Navajo Frauen so wäre dies nur eine Seite der Medaille. Es wäre so als würde ich das tragen eines Dirndls als typische Bekleidung junger deutscher Frauen benennen. Als würde ich das Leben der Frauen in der gehobenen Mittelklasse Deutschlands, als typisch für das Leben junger und älterer deutscher Frauen bezeichnen.
Was in der letzten Folge beschrieben ist das Bild dessen was ich als das Ideal bezeichnen würde, es ist der traditionelle Stil derer, die gebunden sind in ihrer Tradition und diese Leben können. Aber die Navajo Leben wie alle noch heute existierenden nativen Nationen unter der Herrschaft der dominierenden Kolonisation der weissen kapitalistischen US amerikanischen und kanadischen Gesellschaft. Was bedeutet das? Das alles was wir hier als Aussage machen können als relativ zu betrachten ist. Und in diesem Sinne stimmt die oben gemachte Aussage von Laing auch zur Situation indigener Frauen, aber auch der indigenen Männer in den USA und Kanada.
Den Europäern die in den letzten 5 Jahrhunderten den Nordamerikanischen Kontinent eroberten, und dabei mit unvorstellbarer Grausamkeit eine menschliche Lebensalternative auslöschten, ist es gelungen diesen Völkermord und kulturellen Genozid als romantisches Abenteuer darzustellen. Dank Hollywood und Schriftstellern wie Karl May oder James Fenimore Cooper. Wie ist das möglich? Es ist möglich, weil wir uns selber täuschen, wie Laing sagt:
„Wir in Europa und Nordamerika sind die Kolonialherren. Um unser wunderbares Bild von uns als Gottes Geschenk an die grosse Mehrheit der hungernden Spezies Mensch aufrechtzuerhalten, müssen wir unsere Gewalt nach innen richten auf uns und unsere Kinder.“
Und dies tun wir indem wir die Wahrheit des Völkermordes zur Heldensage des Westerns, des Cowboys und des Trappers verwandeln, und dabei den indigenen Helden am Ende der Geschichte Edel sterben lassen. Siehe Uncas den letzten Mohikaner, Winnetou den Häuptling der Apachen. Denn was solle er in der nun neuen aufziehenden Welt des amerikanischen Kapitalismus? Er ist so überflüssig wie die sich selbstbestimmende indigene Frau. Die ebenfalls bei den meisten indianischen Nationen in der Erinnerung ausgelöscht wurde. Eine der wesentlichen Wahrheiten der Geschichtsschreibung ist, dass die Sieger ihre Wahrheit zur alleinigen Wahrheit erklären und die Verlierer glauben lassen dass diese Wahrheit der Sieger auch ihre eigene sei. So ist die wesentliche Fälschung der Geschichte der Eroberung Amerikas zu verstehen.
Vor ein paar Tagen in einem Gespräch mit einer Freundin, erklärte mit diese:
„Dass es ihres Wissens keine einzige Kultur oder Zivilisation auf der Erde gegeben hätte und hat, in der es möglich sei dass zwei Männer oder zwei Frauen einfach so als Paar zusammen ihr Leben miteinander teilen könne. Auch nicht in den so genannten Matriarchaten oder Gynokratien. Da es letztlich immer über die Herrschaft und Kontrolle der Gebärmutter, der Zeugung und der Geburt gehe.“
Ich wies sie auf die Laguna Pueblo Schriftstellerin Leslie Marmon Silko hin, ihrem Essay Band „Yellow Woman and a Beauty of the Spirit“, in dem auf Seite 67 folgende Zeilen zu finden sind:
Leslie Marmon Silko, Laguna Pueblo
„Vor der Ankunft der christlichen Missionare, konnte ein Mann als Frau Leben und mit den Frauen arbeiten. Er konnte einen Mann heiraten und dies ohne jegliche Aufregung der anderen. Ebenso konnte eine Frau wie ein Mann Leben, mit den Männer zur Jagd gehen, wie sie in den Krieg ziehen und selbstverständlich auch eine Frau heiraten. In der alten Pueblo Weltsicht, waren wir alle eine Mischung aus weiblich und männlich, und die sexuelle Identität war ein sich kontinuierlich sich wandelnde. Sexuelle Unterdrückung kam zu uns mit den Missionaren. Für unsere Vorfahren, war Heirat eine Sache der sozialen Beziehung, des Teamworks, sieh hatte nichts mit sexueller Erregung zu tun. In den Tagen vor den Puritanern, hieß Ehe nicht das Ende von Sex mit anderen. Jeder konnte sich einen Liebhaber oder eine Geliebte nehmen.“
Paula Gunn Allen, Laguna Pueblo
Die ebenfalls Native Autorin Paula Gunn Allen geht in ihrem Buch: „The sacred Hoop, Recovering the Feminine in American Indian Tradition“, davon aus, dass die meisten ursprünglichen Nativen Nationen Amerikas, wenn nicht Gynokratien so doch zu mindestens Matrilinear waren bevor die europäischen Eroberer kamen.
Paula Gunn Allen sagt weiter:
„Am Anfang war Denken, und ihr Name war Frau. Die Mutter, die Großmutter, die Matrone, erkannt von Anfang an bis ins Heute von den Menschen der Amerikas, bewahrt in den ältesten Traditionen, zelebriert in den sozialen Strukturen, Architektur, Gesetz, Brauchtum und mündlicher Tradition. Ihr verdanken wir unser Leben, und von ihr kommt unsere Fähigkeit auszuhalten, jegliche Bedrohung unserer Existenz, AN IHR (Der Erde), an IHR und, unser Sein, in den letzten fünfhundert Jahren Kolonisierung. Sie ist die alte Spinnenfrau die uns einwebt in eine Decke, ein Gewebe von Verbindungen und Abhängigkeiten. Sie ist der älteste Gott, die Eine die erinnert und wieder verbindet; und dies durch die Geschichte der letzten fünfhundert Jahre. Sie lehrte uns Schmerz und hilflose Wut zu ertragen, wir hielten durch in die Gegenwart, immer noch am Leben, immer noch da, wissend um unsere Bedeutung sicher um unser Wissen das SIE das Zentrum ist, das SIE eins ist mit dem heiligen Kreis des Seins.“
All dies passte nicht in das Bild, der Eroberer Amerikas. Weder in das Bild der katholischen Spanier und Franzosen noch in das Bild der puritanischen Angelsachsen. Sie hatten ein Bild des Profites und der Ausbeutung vor sich. Als sie die scheinbar, wie sie glaubten, unberührten Landschaften vor sich sahen. Für sie wahren die Ureinwohner nichts anderes als eine Form der Tiere die dumm genug waren, wie Benjamin Franklin sagte, sich unter die Knute ihrer Weiber zu begeben. Er meinte damit den Bund des langen Hauses, die vereinten Stämme der Irokesen, oder der sechs Nationen. Von Ihnen klauten die Gründerväter der USA die Idee der Vereinigten Staaten, nur liessen sie die Weiberherrschaft weg wie Benjamin Franklin es ausdrückte.
Beth Brant, Mohawk
Eine Tochter der Irokesen ist die Mohawk Beth Brant. Aktivistin, Frauenrechtlerin, Schriftstellerin und bekennende Lesbe, ebenso wie die inzwischen verstorbene Paula Gunn Allen. Sie sagt in: „Writing as a Witness“ über die Geschichte der Beziehung zwischen uns und den Native Americans:
„Ich denke das Geschichte wie sie uns vermittelt wird eine Lüge ist - geschrieben um das Ego des weißen Mannes aufzublasen, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren.“
Und sie meint damit vor allem die Sage um Pocahantos und deren Beziehung zu ihrer angeblichen Liebe zu John Smith und John Rolfe. Aber auch die Beziehung zwischen uns und unseren indigenen Brüder und Schwestern.
Überhaupt Pocahontas, Wie textete Neil Young in den Siebzigern?
„Pocahontas, Marlon Brando und ich:“
Pocahontas, die mythische Squaw. Ist sie nicht der Kindertraum eines jeden weißen Jungen? Und wie sagt die Native Sängerin Annie Humphrey:
„My Mother always said: Don‘t let anyone treat you like a squaw.“
Annie Humphrey, ist eine Ojibway Mutter, Singer und Songwriter und Visual Artist
„Was ist Geschichte? Fragt Beth Brant in: „Writing as Witness“
„Ist sie der Besitz der herrschenden weissen Gesellschaft, die sie so benutzt, wie es ihr in ihre Politik passt? Was ist die Geschichte der Frauen? Ist sie immer noch die Geschichte der weissen Frauen, die privilegiert sind durch ihre Geburt? Wird Geschichte etwas neues - eine Erzählung aller Nationen - statt der Erzählung der europäischen Eroberung? Ich bin eine Grossmutter und ich fühle es ist absolut notwendig das ich die wahre Geschichte der Amerikas erzähle. Meine Enkel brauchen Geschichten die ihnen helfen gute Männer zu werden - die Sorte von Männern die unsere Nationen verdienen. Meine Enkel - so viel Sorten von Blut fließt in ihren Adern. Unter anderem Mowhawk, Irisches, Schottisches, Polnisches, Cree, Französisches, Norwegisches und Cherokee - das Blut der Zukunft.
Literatur:
1. Ronald D. Laing, „Phänomologie der Erfahrung“ edition suhrkamp 314,
11 Auflage 59.-62. Tausend 1981
- 2. Leslie Marmom Silko, „Yellow Woman and a Beauty of the Spirit“ Essays on Native American Life Today, A Touchstone Book, Published by Simon & Schuster, New York 1997
- 3. Paula Gunn Allen. „The Sacred Hoop“ Recovering the Feminine in American Indian Traditions, Beacon Press Copyright 1986, 1992 by Paula Gunn Allen
- 4. Beth Brant, „Writing as Witness“ Woman‘s Press, Toronto Ontario, Copyright 1994 by Beth Brant